VZ154: Antrag auf Revolution – Beamte, Streik und Digitalisierung

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Digitalisierung, Staatsangestellte und Streikrecht: Wer wählen kann, muss nicht streiken – Zwischen Staatsbürgerkund und Arbeitsrecht

Doppelbock, Stout und die Macht der Ator-Biere

Stout wird gerne mit den dunklen Jahreszeiten assoziiert – aber warum denn? In Irland hat Stout immer Saison. Der Doppelbock ist hingegen ein Bier des Frühlings. Ein Späßchen, dass die meisten Ator heißen. Wer mehr Bier-News von uns aus Hamburg sucht, wird auf https://040bier.de fündig.

„Mitnehmen“ in der Verwaltung: Wildbergers Digitalisierungsphilosophie

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger will Behördenmitarbeitende bei der Digitalisierung „mitnehmen“, statt ihnen Neuerungen einfach vorzuschreiben. Für Gordian, der selbst in der Verwaltung arbeitet, ist das Change Management im besten Sinne: Wer Verwaltungsmitarbeitende nicht begeistert, bekommt Dienst nach Vorschrift. Jan sieht das als Staatsbürger ganz anders: Wer die Verwaltung bezahlt, darf erwarten, dass Anweisungen befolgt werden – schließlich sei der Angestellte des Staates Staatsdiener, nicht Kunde, der abwandern könnte. Die Diskussion reicht vom Überspitzungen eines Elon-Musk-Einritts in die Behörde bis zur Frage, was Microsoft-Beta-Tester-Runden in Ämtern mit echter Digitalisierung zu tun haben.

Streikrecht und Gewerkschaften im öffentlichen Dienst

Aus dem Streit wird ein staatsrechtlicher Paukenschlag: Jan hält Gewerkschaften im öffentlichen Dienst und das Streikrecht von Staatsangestellten für verfassungsrechtlich fragwürdig – ein Fall, den sich seiner Meinung nach das Bundesverfassungsgericht ansehen müsste. Sein Argument: Wenn Angestellte des Staates so agieren, als stünden sie dem Staat gegenüber, dann kracht der Staat gegen die Wand. Gordian entgegnet, dass der Staat sich bewusst entschieden hat, Angestellte einzustellen statt zu verbeamten – mit allen Arbeitsrechten, inklusive Streikrecht. Sie finden einen Kompromiss: Denkbar wäre aber ein besonderer Status wie bei Soldat: ein Treueverhältnis ohne Streikrecht. Einig sind sich beide: Beamte übernehmen hoheitliche Aufgaben und repräsentieren dem Bürger gegenüber den Staat – dafür braucht es einen besonderen Status.

Visage, „Fade to Grey“ und die Poesie des Grauens

Zum Abschluss ein Abstecher in die New Wave der 80er: Visages „Fade to Grey“, ein Stück elektronischer Kunst mit legendärem Bodypainting-Video und Theremin statt Gitarre. Aus dem Song wird ein Sprach-Exkurs über Grau, Grauen und Ergrauen, über die blaue Stunde und darüber, warum „Fade to Grey“ weniger mit der Farbe Grau zu tun hat als mit dem Verblassen im Nebel – ein kleiner Song über die Konfrontation mit der Endlichkeit.

In dieser Episode erfährst du

  • Warum fast jeder Doppelbock auf „-ator“ endet – vom Paulaner Salvator bis zum Wittorfator
  • Was Digitalminister Karsten Wildberger unter „Mitnehmen“ von Behördenmitarbeitenden versteht – und warum das empört
  • Warum Gewerkschaften und Streikrecht im öffentlichen Dienst verfassungsrechtlich fragwürdig oder umstritten sein könnten
  • Wie ein Soldatenstatus das klassische Beamtenrecht ersetzen könnte
  • Was Visage in „Fade to Grey“ über Grau, Grauen und die Endlichkeit der Zeit singt
  • Was ein Theremin ist und wie es funktioniert

Abonnier unseren Podcast hier oder auch auf Spotify, Apple oder YouTube, teile diese Folge mit Freund:innen und erzähle uns in den Kommentaren auf YouTube oder auf Bluesky von deinen Erfahrungen mit Digitalisierung im Amt, deiner Meinung zu Jans Bedenken zum Streikrecht. Denn gute Geschichten beginnen beim Zuhören.

00:00 – Intro
00:16.000 Biere der Woche: Baltic Stout von der Insel Brauerei vs. Wittorfer Doppelbock Wittorfator
12:03 – „Mitnehmen“ in der Digitalisierung: Wildbergers Ansatz und Jans Gegenthese
22:21 – Change Management in der Praxis: Neue Software, Personalrat und Barrierefreiheit
31:25 – Streikrecht und Gewerkschaften im öffentlichen Dienst
41:27 – Soldatenstatus statt Beamtung: Wer übernimmt hoheitliche Aufgaben?
45:49 – Visage „Fade to Grey“: Die blaue Stunde und die Endlichkeit

VZ144 Der Wandel der Ämter – Wenn Bürger zu Kunden werden

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Gordian
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Jan

Wie der Wandel und die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung Bürger in Kunden verwandeln – und warum Zentralisierung der Schlüssel zu echter Kundenfreundlichkeit sein kann.

#vzzzPodcast Seite: https://vonzeitzuzeit.gordianus.de/2026/01/16/vz144-der-wandel-der-aemter-wenn-buerger-zu-kunden-werden/

Die Semantische Verschiebung: Von Bürger:innen und Kund:innen

In dieser Folge befassen sich Gordian und Jan mit einem zunächst unscheinbaren, aber grundlegenden Problem: Der Sprachgebrauch ändert sich. Behörden sprechen nicht mehr von „Bürgern“, sondern oft von „Kunden“. Das klingt modern, kundenorientiert und servicefreundlich – ist aber konzeptionell eine bedeutende, vielleicht sogar gefährliche Verschiebung.

Eine Bürger:in hat keine Wahlfreiheit. Man kann sich seine Verwaltung nicht aussuchen. Eine Kund:in hingegen wählt ihre Anbieter. Die Umbenennung suggeriert also etwas, das nicht so ist: dass die Bürger:in Wahlmöglichkeiten hat. Gleichzeitig entspricht das der Neoliberalisierung öffentlicher Verwaltung – der Gedanke, dass jeder Service „kundenfreundlich“ sein muss, führt zu einer schleichenden Privatisierung von Verwaltungslogik.

Gebündelte und proaktive Verwaltung: Das Ideal

Echte Kundenfreundlichkeit müsste mehr liefern. Zum Beispiel proaktive Verwaltung: Die Verwaltung…

  • weiß, dass eine Bürger:in nach einem Umzug ihre Adresse in mehreren Systemen ändern muss.
  • weiß, dass Eltern nach einer Geburt Anspruch auf Kindergeld, ggf. Elterngeld und einen Kitaplatz haben.
  • führt diese Anträge proaktiv aus, statt die Bürger:in mehrfach zum Antrag zu zwingen.
  • betreibt digitale Services als Dienst, nicht als Hürde.

Oder Bündelung von Ressourcen: Die Stadt Hamburg zeigt seit den 1990er-Jahren, dass eine E-Government Strategie mit zentraler IT-Bündelung der Digitalisierung und der Digitalisierungsprojekte Koordination und Effizienz schafft. Doch im Bund lief es bis vor einem Jahr anders.

Das Zentralisierungs-Dilemma: Woran der Wandel scheitert

In diesem Beispiel tritt das Kernproblem des Verwaltungswandels zutage: Mehrere Ministerien waren bis vor einem Jahr für ein Thema – die Bundesweite Digitalisierungspolitik – zuständig. Aber keins hatte Budget und Verantwortung für die gesamte Digitalisierung. Das Verkehrsministerium, das Wirtschaftsministerium, das Innenministerium – alle hatten „ein bisschen“ mit Digitalisierung zu tun. Das Ergebnis:

  • Keine zentrale Steuerung
  • Kompetenzen und Budgets bleiben verteilt
  • Projekte scheitern an fehlender Koordination
  • Der Wandel gerät ins Stocken statt zur Verbesserung

Dieser Wandel umfasst also ein echtes Macht- und Verteilungsproblem. Hier sind Minister Wildberger und das neu geschaffene Digitalisierungsministerium in der Pflicht.

[Disclaimer: Wir haben die Aufnahme vor der letzten Bundestagswahl gemacht. Der Hinweis zum Digitalisierungsministerium haben wir nachträglich eingesprochen und die beispielhafte Aufteilung auf die drei Ministerien als Rückblick dargestellt. Die Grundsätzlichkeit der Thematik hat sich nicht geändert.]


In dieser Episode erfährst du:

  • Der semantische Fehler: Was die Umbenennung von Bürger zu Kunde bedeutet
  • Proaktive vs. reaktive Verwaltung: Wie ein moderner Staat seine Bürger unterstützen könnte
  • Das Zentralisierungs-Paradoxon: Warum mehrere Ministerien oder Behörden für ein Thema zu keinem Erfolg führen können
  • Hamburgs Erfolgsmodell: Wie eine zentrale IT-Bündelung seit den 1990ern funktioniert und nun als Vorbild für den Bund steht

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– Denn gute Geschichten beginnen beim Zuhören.

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00:00 – Biere der Woche: Orca Bräu Anders New IPA vs. Sierra Nevada Torpedo Extra IPA 14:09
14:09 – Digitale Infrastruktur 05:28
19:37 – Digitalisierung in Deutschland 07:33
27:10 – Zentralisierung und Verteilung 06:06
33:16 – Bürger:innen oder Kund:innen 14:28
47:44 – Kundenfreundlichkeit aus Effiziez 05:02
52:46 – Bierabschluss

VZ142 Mach es nicht selbst – Warum Verwaltung Leistung besser einkauft

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#vzzzPodcast-Seite: https://vonzeitzuzeit.gordianus.de/2025/11/21/vz142-mach-es-nicht-selbst-warum-verwaltung-leistung-besser-einkauft/

Warum Staat und Verwaltung oft besser beraten sind, Dienstleistungen, Software und mehr zu kaufen statt selbst zu entwickeln: Erfahrungsbericht aus Hamburg mit Fokus auf kritische Infrastruktur, Wirtschaftlichkeit und moderne Arbeitswelten und Verwaltungskultur.

Make or buy?

In dieser Folge diskutieren Gordian – hier als erfahrener Verwaltungmitarbeiter – und Jan – hier als kritischer Bürger – praxisnah die Frage, ob Kommunen und Städte grundlegende Infrastruktur wie Softwarelösungen und andere Dienstleistungen besser selbst entwickeln oder besser einkaufen sollten. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass viele öffentliche Dienstleistungen – von der Baumgenehmigung bis zur Unternehmensgründung – auf relativ standardisierten Lösungen basieren. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob eigens angestellte Softwareentwickler bei Städten eine nachhaltigere Lösung wären oder ob die Auslagerung an spezialisierte Unternehmen wirtschaftlich und organisatorisch geboten ist.

Beispiel Hamburg

Die Sprecher erörtern die Herausforderungen bei Ausschreibungen und Vergaben, die Risiken und Flexibilitätsprobleme beim Einkauf von Software und Dienstleistungen sowie die Notwendigkeit, Spezialistentum zu bündeln – etwa so, wie es Immobilienmanagement-Unternehmen für Städte tun. Eine Parallele zur Hamburger Elbphilharmonie illustriert anschaulich die Fallstricke von Großprojekten in der öffentlichen Hand.

Spezialisierung als Schlüssel für Zukunftsfähigkeit

Das Gespräch reflektiert, wie Outsourcing in Verwaltung ein modernes Prinzip ist, das die Effizienz steigert und Fehlerquellen minimiert. Dabei wird auch die Frage aufgeworfen, wie viel Vertrauen erforderlich ist, um Spezialisten einzukaufen.

Arbeitswelt Verwaltung

Zusätzlich wird auf Motivation, Arbeitskultur und Gehalt in der Verwaltung eingegangen: Warum zieht es Top-Entwickler und -Juristen oft nicht in Jobs der Verwaltung – und wie schlägt sich das auf die Wahl zwischen Eigenentwicklung und Zukauf nieder? Die Diskussion bleibt dabei stets nah am Arbeitsalltag städtischer Verwaltungen und vermittelt durch persönliche Anekdoten und den einleitenden lockeren Craftbier-Talk ein authentisches Bild öffentlicher Entscheidungsprozesse.

Kernfragen

  • Wann lohnt sich Eigenentwicklung in der Verwaltung, wann ist externes Zukaufen sinnvoll?
  • Welche Rolle spielen Spezialisierung und Marktmechanismen bei Software und Immobilien?
  • Was bedeutet „kritische Infrastruktur“ für Kommunen heute?
  • Wie könnten Ausschreibungen und Verträge Risiken ausgleichen?
  • Welche kulturellen Unterschiede gibt es im öffentlichen Dienst und der Privatwirtschaft?
  • Warum ist Motivation und Haltung im Arbeitsleben entscheidend?

Gesellschaftspolitische Einordnung

Gordian und Jan verknüpfen die Verwaltungserfahrung mit aktuellen gesellschaftlichen Themen wie Digitalisierung, Urbanität und demokratische Teilhabe. Die Episode bietet kritische Medienreflexion und humorvolle Alltagsbeispiele, um komplexe Fragen greifbar zu machen und verschiedene Perspektiven zu beleuchten.

In dieser Episode erfährst du

  • Warum Outsourcing für Städte und Verwaltungen oft sinnvoller als Eigenleistung ist
  • Wie Vertragsverhältnisse die Softwarewahl beeinflussen
  • Welche Alltagsprobleme durch fehlende digitale Expertise entstehen
  • Warum Mietmodelle bei Immobilien für Städte attraktiv sind
  • Wie die Elbphilharmonie zum Sinnbild für Behördenprojekte wurde
  • Wie politische Kultur Entscheidungsprozesse in der Digitalisierung beeinflusst

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VZ136 Preppen für den O-Plan

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VZ114 Politik und Digitalisierung

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